
Zu Besuch bei kleinen Heulern
In Norddeich werden die jungen Waisen aufgepäppelt
Die Seehundstation Norden-Norddeich wurde 1971 von Winhold Schumann und Erwin Manninga gegründet, um den rückläufigen Seehundbestand in der Nordsee zu schützen. Ihr Ansatz umfasste die Aufzucht verwaister Seehundjungtiere, Forschung und die Öffentlichkeitsarbeit zum Seehundschutz. Mit Unterstützung vieler Freiwilliger wurde am Schwanenteich in Norden das erste Gelände gepachtet, wo am 25. Juni der erste Heuler aufgenommen und erfolgreich ausgewildert wurde.
Aufgrund der wachsenden Aufgaben – Aufzucht und Pflege verwaister und kranker Seehunde, Zählungen, Forschung, Zusammenarbeit mit anderen Stationen und Schutzmaßnahmen – reichte das ursprüngliche Gelände bald nicht mehr aus. Nach einer abgelehnten Erweiterung zog die Station 1978 nach Norddeich um und gründete den „Verein zur Erforschung und Erhaltung des Seehundes e.V.“. 1980 wurde die neue Station nach zweijähriger Bauzeit eröffnet.

Das Seehundsterben 1988 war eine große Bewährungsprobe: 68 schwerkranke Seehunde wurden aufgenommen, 1123 tote Seehunde mussten geborgen werden. Das Ereignis sorgte für ein erhöhtes Bewusstsein und eine Spendenwelle, mit der Forschung und Anlagen ausgebaut werden konnten.
Ab 1992 wurde die Station als Nationalpark-Zentrum betrieben, 1994 erfolgte die Anerkennung als Vogelpflegestation. 2002 wurde das ehemalige Norddeich-Radio-Gebäude in Osterloog zur Quarantänestation und Unterkunft für Praktikanten und Schulungen umgebaut.
Ein wichtiger Meilenstein war die Strandung zweier Pottwale 2003, bei der die Idee für das „Waloseum“ geboren wurde. Bis 2006 entstand hier eine Ausstellung, die das Engagement des Stationsteams und Ehrenamtlicher widerspiegelt.

Der Umbau 2006/2007 brachte weitere Erweiterungen: Quarantänebecken wurden ins Waloseum verlagert, die Außenanlage erhielt drei große Becken, neue Unterwassersichtscheiben und eine verbesserte Ausstellung zur Umweltbildung. 2007 konnten die Bauarbeiten pünktlich zur Heuler-Saison abgeschlossen werden, die Station war nun für größere Kapazitäten und eine didaktisch fortschrittliche Präsentation ausgelegt.
Auch die Jahre 2008 und 2009 waren geprägt von kontinuierlicher Weiterentwicklung, Qualifizierung der Mitarbeitenden und Ausbau der Schulungsangebote. 2009 wurde die erste Wattenjagdaufseher-Schulung zusammen mit verschiedenen Landes- und Ministeriumsstellen durchgeführt, inzwischen finden diese regelmäßig statt.
Seit 2012 verfügt die Station über modernisierte Einzelbecken zur optimierten Kleingruppenhaltung und verbesserten tiermedizinischen Betreuung. So kann die Pflege und Kontrolle individuell erfolgen, was die Bedingungen für die Seehunde wesentlich verbessert.

Die Seehundstation Norden-Norddeich hat sich über mehr als vier Jahrzehnte zur zentralen Einrichtung für Seehundschutz, Forschung und Umweltbildung an der Nordseeküste entwickelt. Sie ist heute als Nationalpark-Haus und Waloseum ein bedeutendes Zentrum für Meeressäuger- und Vogelschutz sowie für die Öffentlichkeitsarbeit im Nationalpark Wattenmeer.
Zuständig ist die Seehundstation für den gesamten Niedersächsischen Küstenbereich und die vorgelagerten Inseln.
Auf der Website der Seehundstation Norddeich werden die Monatsprogramme regelmäßig als PDF veröffentlicht und enthalten verschiedene Aktionstage und Veranstaltungen. Spezielle Angebote für Familien und Kinder sind dort besonders hervorgehoben.
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Von Heike Goyert