Raritätenparadies in Ostfriesland
Jürgen Tjaden besitzt Tausende einzigartige Sammlerstücke
Ein wenig erinnert Jürgen Tjaden an die Ludolfs – doch er ist nicht Herr eines Schrottplatzes, sondern einer Halle und eines Hauses voll Trödel. In dem Angebot kann man sich schnell verirren – doch Tjaden hält den Überblick.
300 verschiedene Weihnachtsbaumständer, 6000 Gläser, unzählige Werkzeuge, ein altes Klapp-Badezimmer aus DDR-Zeiten: In der Flohmarkthalle von Jürgen Tjaden aus Wrisse (Gemeinde Großefehn) gibt es quasi nichts, das es nicht gibt. Der 82-Jährige ist passionierter Sammler – und weit über 10.000 verschiedene Teile nennt er mittlerweile sein Eigen. Aufgestellt in Reih und Glied finden sich die Gegenstände in Schränken, auf Regalen, an der Wand montiert oder auf den Boden gestellt. Stundenlang könnte man durch die engen Gassen wandeln, die links und rechts von Trödel, antiken Stücken oder besonderen Funden begrenzt sind. Beim Wandeln durch die Halle kommen Parallelen zu der aus dem Fernsehen bekannten Familie Ludolf auf – ein Vergleich, den Tjaden schon häufiger gehört hat. Aber: „Ich möchte mich mit niemandem vergleichen. Ich bin wie ich bin und das ist einfach meine Sammelleidenschaft.“
Doch ähnlich wie die Ludolfs weiß auch Tjaden ganz genau, wo was liegt – und woher es kommt, wann ungefähr er es bei wem gekauft hat und was er dafür heute preislich noch aufrufen kann. Tjaden ist bestens informiert, stöbert regelmäßig bei Ebay und Co. und kennt sich mit nahezu allem aus – von Flugzeug-Teilen bis zum antiken Teekessel. Zielsicher steuert er auch bei einem Besuch durch die schmalen Gänge und findet schnell, wonach er sucht. „Hier sind Schreib-, da sind die Nähmaschinen“, erzählt er. Wann er sie bei wem erwarb weiß er noch, als wäre es gestern gewesen. Dabei ist es schon einige Jahre her – doch für den Großefehntjer bleibt in seiner Halle die Zeit stehen, könnte man meinen. Jedes einzelne Teil hat er selbst einsortiert, vorher fein gesäubert oder repariert. Kein einziges Stück gibt es vor Ort, das er nicht schon mindestens zweimal in der Hand gehalten hat. Einmal, um es einzusortieren und einmal, um es an einen anderen Platz zu räumen. Denn auch das ist eine wichtige Aufgabe, der Tjaden tagtäglich nachgeht: „Ich bin hier jeden Tag. Ich brauche keinen Urlaub“, sagt er.
Oll Reef Hus und nebenan die Flohmarkthalle
Doch die Flohmarkthalle ist längst nicht alles. Direkt nebenan befindet sich das „Oll Reef Hus“, in dem Tjaden früher wohnte. In den 60er Jahren kaufte er das Gebäude, zog ein – und einige Jahrzehnte später wieder aus. Da er das Haus aus rechtlichen Gründen nicht vermieten konnte, verwandelte er es in ein Museum. Das Haus der alten Dinge, so ungefähr könnte man die plattdeutsche Bezeichnung „Oll Reef Hus“ übersetzen – und auch hier finden sich vom ehemaligen Stallbereich bis in das Wohnzimmer Hunderte, wahrscheinlich eher Tausende Dinge. Von alten Schildern, Mützen, Puppen bis hin zu alten Broschen, unzähligen Pfeifen und vielem mehr. 5 Euro kostet der Eintritt und geöffnet ist immer sonntags von 10 bis 18 Uhr. Die Besucher kommen dabei durchaus von weither – zuletzt war ein Reisebus aus der Schweiz da. Die Besucher kommen, um in alten Zeiten zu schwelgen und die Relikte längst vergangener Zeit noch einmal hautnah zu begutachten. Und Tjaden hat zu jedem Gegenstand eine Geschichte zu erzählen – als wäre es erst gestern passiert.
Von Aike Sebastian Ruhr