Bernd Flessner im Interview

Windsurf-Star von Norderney blickt zurück und voraus
Erfolg ist für Bernd Flessner kein Fremdwort. Er hat unter anderem dreimal den Windsurf-World-Cup gewonnen und unzählige Deutsche Meisterschaften geholt. Während er mittlerweile seine Erfolge genießt, gab es auch schwierige Phasen, wie er in seinem Vortrag vor geladenen Gästen an diesem Donnerstag verraten wird.
Viele junge Windsurfer setzen heute auf Social Media und Selbstvermarktung: Welchen Rat geben Sie als erfahrenes Vorbild dabei?
Bernd Flessner: Dieses Thema nervt mich persönlich. Früher standen Leistung und gute Ergebnisse im Vordergrund und dementsprechend haben wir uns auf Regatten und Wettkämpfe vorbereitet. Das hat sehr viel Zeit und Energie gekostet. Mit den Erfolgen konnten unsere Sponsoren und Marken gute und überzeugende Werbung machen. Heute ist das fast in den Hintergrund gerückt und Reichweite sowie Sichtbarkeit stehen weit vorne. Social Media ist mit Sicherheit ein wichtiger Faktor. Ob das alleine für junge Windsurfprofis ausreicht, um langfristig erfolgreich zu sein, bezweifele ich. Ein Mix aus beidem ist für mich der richtige Weg.
Die Nachhaltigkeit spielt im Wassersport eine immer größere Rolle: Wie beeinflusst das Ihre Sicht auf Erfolg und Verantwortung als Sportler?
Bernd Flessner: Wind-, Kite- und Wingfoiler haben eine große Affinität zur Natur und zum Meer. Hier herrscht schon seit vielen Jahren ein Bewusstsein für Natur und Nachhaltigkeit. Die Sportler, die Industrie, die Verbände und Sponsoren beschäftigen sich intensiv mit diesem Thema, welches ich ebenfalls als sehr wichtig betrachte.
Foiling und neue Disziplinen sorgen für frischen Wind im Surfsport – wie haben solche Trends Ihre eigenen Herausforderungen und Motivation verändert?
Bernd Flessner: Ich liebe das Windsurf-Foilen und es bereitet mir seit einigen Jahren sehr viel Freude. Durch das Foilen war mir schnell bewusst, dass ich mein Windsurfleben dadurch um einige Jahre verlängern kann. Heute foile ich zu etwa 85 Prozent und es ist für mich ein großer Vorteil während meiner Surf-Camps. Ich bin dadurch in der Lage, viele Teilnehmer fast gleichzeitig auf dem Wasser zu coachen, was auf einem normalen Surfbrett so nicht möglich wäre.
Windsurfen wird heute oft als Lifestyle präsentiert: Wie stehen Sie zur Entwicklung vom klassischen Leistungssport hin zu einem Trend- und Lebensgefühl?
Bernd Flessner: Der Lifestyle war schon immer ein Teil des Sports und wie bereits oben beschrieben, bin ich ein Fan von Leistung, Wettkampf und ehrlichem Sport auf dem Wasser. Durch Social Media hat sich das Verhältnis etwas verschoben und der Sport wird stärker in die Lifestyle-Schiene gedrückt. Ich selbst werde dem Sport aber immer auf der klassischen Ebene verbunden bleiben.
Welchen Stellenwert hat Teamarbeit im modernen Windsurf-Sport gegenüber früher – beobachten Sie hier neue Formen von Gemeinschaft oder Wettbewerb?
Bernd Flessner: Windsurfen ist eine Einzelsportart und auf Regatten habe ich immer für mich alleine gekämpft. Mit Freunden gemeinsam surfen zu gehen und eine Leidenschaft zu teilen, macht aber am meisten Spaß und unter Wassersportlern gibt es ohnehin eine gelebte Gemeinschaft. Auf dem Wasser während einer Regatta darf es Konkurrenzkampf geben und das ist auch wichtig. Was nach dem Wettkampf oder in der freien Zeit passiert, ist viel entscheidender. In unserer polarisierenden Welt mit all den Herausforderungen und Krisen wird dieses Thema immer bedeutender.
Was nehmen Sie aus Ihrer Karriere mit, was gerade in der heutigen, schnelllebigen Zeit jungen Sportlern weiterhilft, um trotz ständiger Veränderungen erfolgreich zu bleiben?
Bernd Flessner: Als ehemaliger Windsurfprofi und mittlerweile etwas gereifter Mensch ist es nicht so einfach, jüngere Menschen von etwas zu überzeugen, ohne dabei besserwisserisch rüberzukommen. Junge Menschen und Sportler stehen heute vor ganz anderen Herausforderungen als wir damals. Erfahrungen und Erlebnisse kannst du nicht kaufen, sondern musst sie selber durchleben und bestenfalls daraus lernen. Ich weise immer wieder darauf hin, dass Fehler machen, auf die Nase fallen, verlieren oder Niederlagen erleben sehr wichtig im Leben sind. Entscheidend ist, was du daraus machst beziehungsweise lernst. Es ist ein extrem schmaler Grat, gleichzeitig erfolgreich und glücklich zu sein.
Das Interview führte Dirk de Vries
„Surfe die Wellen deines Lebens“
Im Vortrag von Bernd Flessner, „Surfe die Wellen deines Lebens“, geht es unter anderem um Erfolge, Druck, Niederlagen und um das Glücklich sein. Dass Erfolg nicht automatisch heißt, dass man auch glücklich ist, hat er unter anderem bei seinem ersten Deutschen Titel erlebt. Klar in Führung liegend machte er einen Anfängerfehler und schaffte es erst in einem atemberaubenden Finish, den Sieg wieder unter Dach und Fach zu bringen. Die Szene danach: Ein „Häufchen Elend“ saß gedankenverloren neben seinem Surfbrett in der Brandung. Flessner war damals beim Anblick dieses Bildes erschrocken. Denn er freute sich nicht über den Titel, sondern ärgerte sich über seinen Fehler. Der Druck, als er erfolgreich war, nahm immer mehr zu. Dazu kam der Neid, dass die besten Surfer der Welt auch an den schönsten Stränden der Welt aktiv sind. Das Bild stimmt, ist aber nicht die Realität der Spitzensurfer. Die ist eher mit rund 450 Kilogramm Reisegepäck rund um den Globus zu jetten, Passkontrollen zu überstehen und die Frage, ist vor Ort dann auch alles da. Bernd Flessner hat das alles selbst organisieren müssen. Und Niederlagen galt es fernab der Heimat und Familie zu verarbeiten. Folgerichtig fiel er nach seinem Karriereende in ein tiefes Loch. Längst hat er diese Phase hinter sich gelassen. Er ist mit sich im Reinen und genießt seine Erfolge mittlerweile. Auf der World-Tour unterwegs zu sein, ist aber eben eine ganz andere Hausnummer. Seit Jahren ist er in Sachen Surfen weltweit unterwegs und bringt die Freude an seinem Sport anderen näher. Der Norderneyer hat gelernt, dass es auch als Profi immer darauf ankommt, eine gute Balance zu finden. Seine Botschaft: Man muss nicht Spitzensportler sein, um für sich die gute Balance im Leben zu finden.